Physikspielzeug-Lexikon
Thaumatrop: Wie zwei Bilder zu einem verschmelzen
Ein Thaumatrop ist ein Kino im Streichholzschachtelformat: Ein kleines Kärtchen mit zwei zueinander passenden Motiven auf Vorder- und Rückseite lässt beide Bilder beim schnellen Drehen zu einem einzigen verschmelzen. In diesem Artikel erklären wir die Funktionsweise dieses fast zweihundert Jahre alten optischen Spielzeugs, zeigen, wie Sie sich selbst eines basteln – und werfen einen Blick auf die durchaus umstrittene Erfindungsgeschichte.
▸ 30. August 2026 ✎ experimentis®-Redaktion ⏳ ca. 6 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Thaumatrop?
Ein Thaumatrop ist im Grunde ein Kino im Streichholzschachtelformat. In der Schachtel befinden sich ein Kärtchen mit zwei zueinander passenden Motiven auf Vorder- und Rückseite, eine Schnur sowie eine Anleitung zum Zusammenbau. Solche Zauberkinos tragen auch die Namen Wunderscheibe, Zwirbelkino oder Zwirbelscheibe. Schon im neunzehnten Jahrhundert bezauberte diese Art von Spielzeug Jung und Alt.
Wie funktioniert das Zauberkino?
Nehmen Sie das Zauberkino in Betrieb, indem Sie das Bildchen an der Schnur aufzwirbeln und dann loslassen. Während sich das Kärtchen dreht, verschmelzen das Bild auf der Vorderseite und das auf der Rückseite zu einem einzigen Motiv.
Ein Thaumatrop selber basteln
Dieses optische Spielzeug lässt sich natürlich auch ganz einfach selbst basteln: Schneiden Sie eine Pappscheibe zurecht und malen Sie auf Vorder- und Rückseite je ein passendes Motiv. Es bietet sich zum Beispiel an, auf die eine Seite einen Smiley zu zeichnen und auf die andere Seite eine Brille, eine Mütze oder Haare.
Stechen Sie anschließend rechts und links je ein Loch in die Pappscheibe und bringen Sie einen Gummi oder eine Kordel an – schon ist Ihr eigenes Thaumatrop fertig. Im Prinzip funktioniert das Thaumatrop wie ein Daumenkino, das sich ebenfalls leicht selbst herstellen lässt.
Geschichte: Wer erfand das Thaumatrop?
Das Thaumatrop wurde 1825 eingeführt, die erste kommerzielle Registrierung erfolgte am zweiten April desselben Jahres. Üblicherweise gilt der englische Arzt und Schriftsteller John Ayrton Paris als Erfinder; er beschrieb das Gerät ausführlich in seinem 1827 erschienenen Buch Philosophy in Sport made Science in Earnest.
Über die tatsächliche Urheberschaft gibt es allerdings erhebliche Unstimmigkeiten. Der Mathematiker Charles Babbage berichtete 1864, dass eigentlich der Geologe William Henry Fitton die Erfindung gemacht habe – dieser habe das Prinzip von einem Münz-Trick des Astronomen John Herschel übernommen, und Paris habe erst später davon gehört. Der französische Künstler Antoine Claudet vermutete 1867 wiederum, Paris habe die Idee bekommen, nachdem er selbst eine Demonstration Herschels beobachtet hatte.
Das Prinzip: Persistenz des Sehens
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Das Wichtigste auf einen Blick
- ✓Ein Thaumatrop lässt zwei Bilder auf Vorder- und Rückseite eines Kärtchens beim Drehen zu einem verschmelzen
- ✓Es wird auch Wunderscheibe, Zwirbelkino oder Zwirbelscheibe genannt und ist seit 1825 bekannt
- ✓Meist wird John Ayrton Paris als Erfinder genannt, die tatsächliche Urheberschaft ist unter Historikern jedoch umstritten
- ✓Physikalische Grundlage ist die Persistenz des Sehens – ein Vorläuferprinzip des heutigen Films