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Brummkreisel, Musikkreisel und Choralkreisel – Physikspielzeug erklärt

Physikspielzeug-Lexikon

Brummkreisel & Choralkreisel: Wie ein Kreisel Musik macht

Der Brummkreisel gehört zu den ältesten Blechspielzeugen überhaupt und erzeugt beim Drehen einen einzelnen, brummenden Ton – sein Verwandter, der Choralkreisel, spielt dank mehrerer Stimmzungen sogar mehrere Töne gleichzeitig. In diesem Artikel erklären wir die Akustik dahinter, blicken auf die Erfindungsgeschichte aus dem Jahr 1879 zurück und zeigen, welcher singende Blechkreisel aktuell im Shop erhältlich ist.

▸ 27. August 2026   ✎ experimentis®-Redaktion   ⏳ ca. 6 Min. Lesezeit

Was ist ein Brummkreisel?

Brummkreisel sind schon seit jeher bekannt. In der einfachsten Ausführung bestehen sie aus einem Hohlkörper aus Holz, besitzen eine Einkerbung oder Öffnung an der Seite und erzeugen einen einzelnen Ton, dessen Höhe von Bauart und Drehgeschwindigkeit abhängt.

Der Choralkreisel: Viele Töne statt einem

Der Choralkreisel erzeugt dagegen nicht nur einen Ton, sondern viele verschiedene. Dafür sind im Kreisel mehrere Stimmzungen mit unterschiedlichen Tonlagen angebracht – jede Zunge steuert ihren eigenen Ton bei, sodass beim Drehen ein mehrstimmiger Klang entsteht.

Wie funktionieren Brumm-, Musik- und Choralkreisel?

Ein Brummkreisel besteht üblicherweise aus einem Hohlkörper aus Holz oder Metall – früher wurden sie beispielsweise auch aus Elfenbein hergestellt – und besitzt eine oder mehrere Einkerbungen oder Löcher. Streicht Luft über diese Öffnungen, entsteht ein Ton, ähnlich dem, der zu hören ist, wenn Sie eine Flasche anblasen.

Eine Weiterentwicklung des Brummkreisels ist der Musik- oder Choralkreisel. Damit dieser überhaupt Töne von sich geben kann, muss er sehr schnell drehen. Erreicht wird das beispielsweise durch einen Antrieb über eine lang gezogene Schraube, die an einen Drillbohrer erinnert: Diese Stange drücken Sie so lange wiederholt in den Kreisel, bis er schnell rotiert. Andere Versionen des Brummkreisels werden stattdessen über eine Schnur angedreht.

Schema: So bewegen sich die Stimmzungen im Musik- und Choralkreisel

An der breitesten Stelle des Kreisels befinden sich mehrere Löcher. Durch die Fliehkraft wird dort Luft hinausgedrückt. Dadurch entsteht im Innern des Kreisels ein Unterdruck, der durch Luft ausgeglichen wird, die durch die Schlitze am Fuß des Kreisels an den vier Zungen hereinströmt. Die Zungen sind deutlich zu erkennen, wenn Sie durch die unteren Schlitze in das Innere eines solchen Kreisels blicken. Durch die einströmende Luft werden die Zungen in Vibration versetzt und geben Töne von sich.

 

Zwei physikalische Prinzipien: Helmholtz-Resonanz und durchschlagende Zunge

Hinter den beiden Kreisel-Typen stecken tatsächlich zwei unterschiedliche akustische Prinzipien:

  • ✓Der einfache Brummkreisel nutzt dasselbe Prinzip wie eine angeblasene Flasche: einen sogenannten Helmholtz-Resonator, benannt nach dem Physiker Hermann von Helmholtz, der 1859 die Theorie solcher Hohlraumresonatoren entwickelte
  • ✓Der Choral- und Musikkreisel nutzt dagegen das Prinzip der durchschlagenden Zunge: ein an einem Ende befestigter Metallstreifen, der durch den Luftstrom zum Schwingen gebracht wird – dasselbe Funktionsprinzip wie bei Mundharmonika, Akkordeon oder Harmonium
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Gut zu wissen: Durchschlagende Zungen behalten ihre Tonhöhe über lange Zeiträume sehr stabil bei, unabhängig von Temperaturschwankungen – deshalb kommt dasselbe Prinzip nicht nur im Choralkreisel, sondern auch in Orgel-Zungenstimmen und historisch in der chinesischen Mundorgel Sheng zum Einsatz. Mehr dazu bei Wikipedia: Durchschlagende Zunge und zur Helmholtz-Resonanz bei ProPhysik.de: Helmholtz auf dem Prüfstand.

Die Erfindung: Von Bolz in Zirndorf bis zu den Patenten von 1880

Der Brummkreisel aus Weißblech wurde 1879 von der Firma Bolz in Zirndorf patentiert. Später brachte Bolz auch den Choralkreisel auf den Markt. Kurz darauf folgten weitere Patente auf verwandte Mechanismen:

  • ✓Patent 13298 von Georg Fischer aus dem Jahr 1880: "Vorrichtung um Kreisel in rotierende Bewegung zu versetzen"
  • ✓Patent DE13521C von Wilhelm Simon aus dem Jahr 1880: Neuerung an Kreiseln mit Vorrichtung zur Erzeugung musikalischer Töne

Mehr zur Geschichte des Zirndorfer Herstellers Bolz und seines Gründers Peter Bolz lesen Sie im Beitrag „Wie der Kreisel die Musik erlernte" auf blechsammlertreff.com.

Verfügbarkeit im Shop

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Verfügbarkeitshinweis: Klassische Brummkreisel mit Drillstange sind aktuell in unserem Sortiment nicht bestellbar. Als aktuell einziger verfügbarer singender Blechkreisel bietet sich der Blechkreisel Balou an – ebenfalls „Made in Germany" und mit demselben Drillstangen-Antrieb wie ein klassischer Choralkreisel.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • ✓Der Brummkreisel erzeugt über Öffnungen im Hohlkörper einen einzelnen Ton nach dem Prinzip des Helmholtz-Resonators
  • ✓Der Choralkreisel erzeugt über mehrere vibrierende Stimmzungen mehrere Töne gleichzeitig – wie eine Mundharmonika
  • ✓Erfunden und 1879 patentiert wurde der Brummkreisel von der Firma Bolz in Zirndorf
  • ✓Der Blechkreisel Balou ist aktuell der einzige verfügbare singende Blechkreisel im Shop

Häufige Fragen (FAQ)

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Was ist ein Brummkreisel?

Ein Kreisel mit einem Hohlkörper aus Holz oder Metall und einer oder mehreren Öffnungen an der Seite. Beim Drehen streicht Luft über diese Öffnungen und erzeugt einen einzelnen, brummenden Ton.
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Worin unterscheidet sich der Choralkreisel vom Brummkreisel?

Der Choralkreisel besitzt mehrere Stimmzungen mit unterschiedlichen Tonlagen und erzeugt dadurch beim Drehen mehrere Töne gleichzeitig, statt nur einen einzelnen Brummton.
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Wie wird ein Musik- oder Choralkreisel angetrieben?

Meist über eine lang gezogene Schraube ähnlich einem Drillbohrer, die wiederholt in den Kreisel gedrückt wird, bis er schnell genug rotiert. Andere Versionen werden über eine Schnur angedreht.
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Welches physikalische Prinzip erzeugt den Ton?

Beim einfachen Brummkreisel ein Helmholtz-Resonator, wie beim Anblasen einer Flasche. Beim Choral- und Musikkreisel dagegen durchschlagende Zungen, die durch den Luftstrom in Vibration versetzt werden – dasselbe Prinzip wie bei einer Mundharmonika.
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Wann wurde der Brummkreisel erfunden?

Der Brummkreisel aus Weißblech wurde 1879 von der Firma Bolz in Zirndorf patentiert. Kurz darauf, im Jahr 1880, folgten weitere Patente auf verwandte Antriebsmechanismen von Georg Fischer und Wilhelm Simon.
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Gibt es einen singenden Kreisel aktuell im experimentis®-Shop zu kaufen?

Ja: der Blechkreisel Balou ist aktuell der einzige verfügbare Blechkreisel im Sortiment, der beim Drehen singt – zusätzlich hüpft er dank einer kleinen Feder an der Spitze über Teppich und Treppenstufen.
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Über die Autorin

experimentis®-Redaktion

experimentis® ist ein inhabergeführter Physik- und Wissenschaftsshop aus Rockenberg (Hessen). Akustik und die Physik klassischer Blechspielzeuge gehören zu den Themen, die wir besonders gerne anschaulich erklären – vom brummenden Kreisel bis zur schwingenden Stimmzunge.

 
Tags: B, K

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