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Was ist Schleim eigentlich?
Schleim ist weder Flüssigkeit noch Feststoff, sondern etwas dazwischen: ein Gel. Schleimstoffe können große Mengen an Flüssigkeit in sich binden, indem sich diese in riesigen, vernetzten Molekülketten verfangen. Genau diese Netzstruktur ist es, die dem Material seine charakteristische, dehnbare und zugleich formbare Konsistenz verleiht.
- ✓Ein Netzwerk aus langen Molekülketten hält Wasser in seiner Struktur fest.
- ✓Je nach Vernetzungsgrad reicht die Konsistenz von zähflüssig bis fest-elastisch.
- ✓Sowohl natürliche als auch künstlich hergestellte Ausgangsstoffe kommen zum Einsatz.
Die Chemie: Vernetzte Molekülketten
Die Grundlage vieler Schleimarten bilden Polysaccharide – lange Ketten aus aneinandergereihten Zuckermolekülen, die zur Gruppe der Biopolymere zählen. Diese Ketten können sich untereinander verknüpfen und so ein dreidimensionales Netzwerk bilden, in dem Wassermoleküle regelrecht gefangen werden.
Guaran – der Naturstoff hinter dem Schleim
Ein häufig verwendeter Naturstoff für Schleim ist Guaran, auch Guargummi genannt. Er wird aus dem Guarkernmehl der Guarbohne gewonnen, die vor allem in Indien und Pakistan angebaut wird. Guaran quillt in Wasser stark auf und bildet dabei genau jenes vernetzte Kettensystem, das für die typische Schleim-Konsistenz sorgt.
Abseits der Spielzeugwelt ist Guaran unter der Bezeichnung E 412 auch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, wo er unter anderem als Verdickungsmittel eingesetzt wird.
Selbst gemacht: Polyvinylalkohol und Borax
Eine weitere gängige Methode zur Schleimherstellung nutzt Polyvinylalkohol in Kombination mit Borax. Dabei bewirkt die im Borax enthaltene Borsäure die Vernetzung der Polyvinylketten. Erst im Zusammenspiel mit Wasser entsteht daraus das charakteristische Gel.
- 1Polyvinylalkohol in Wasser lösen, sodass sich lange, frei bewegliche Molekülketten bilden.
- 2Borax-Lösung hinzugeben, deren Borsäure die Ketten miteinander vernetzt.
- 3Das entstehende Netzwerk bindet das restliche Wasser und ergibt den fertigen Schleim.
Der Hype von 1978
Als der Spielwarenhersteller Mattel Schleim im Jahr 1978 in Deutschland auf den Markt brachte, wurde er sofort zum "Hit der Saison" – so beschrieb es das Nachrichtenmagazin Der Spiegel damals. Innerhalb kürzester Zeit wurden in Deutschland über zweieinhalb Millionen Einheiten verkauft.
Kalt und klamm, wabbelig und schlickerig.
So beschrieb der Spiegel damals die Konsistenz des neuen Spielzeugs. Wie groß der Hype tatsächlich war, zeigt eine kuriose Anekdote: Hamburgs Schauspielhaus bestellte für ein Bühnenbild seinerzeit anderthalb Tonnen Schleim.
Grenzen und Verfügbarkeit
Viskoelastische Alternativen im Shop
Diese beiden Knete-Varianten sind aktuell lieferbar und demonstrieren verwandte Materialeigenschaften:
Das Wichtigste auf einen Blick
- ✓Schleim bindet Wasser in riesigen, vernetzten Molekülketten.
- ✓Guaran aus der Guarbohne ist ein häufig genutzter Naturstoff dafür.
- ✓Alternativ entsteht Schleim aus Polyvinylalkohol, vernetzt durch Borax.
- ✓Seit dem Hype von 1978 gehört Schleim zu den langlebigsten Spielzeug-Klassikern.