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Astrolabium, Teil 2, Aufbau Vorderseite und Rückseite

Physikspielzeug-Lexikon

Astrolabium Teil 2: Aufbau von Vorderseite und Rückseite

Ein Astrolabium ist weit mehr als eine hübsche Sternkarte aus Metall: Fast jedes Teil hat eine eigene Funktion und einen eigenen Fachbegriff. In diesem zweiten Teil unserer Astrolabium-Reihe nehmen wir das Instrument auseinander – von der drehbaren Mater über die filigrane Rete bis zu den zahlreichen Skalen auf der Rückseite.

▸ 30. August 2026   ✎ experimentis®-Redaktion   ⏳ ca. 7 Min. Lesezeit

Material und Größe klassischer Astrolabien

Klassische Astrolabien wurden meist aus Bronze oder Messing hergestellt und hatten üblicherweise einen Durchmesser von fünfzehn bis zwanzig Zentimetern, obwohl auch wesentlich größere und kleinere Exemplare produziert wurden. Zweifellos gab es auch Astrolabien aus Pappe, Papier oder ähnlichen Materialien.

Auf der Vorderseite des Astrolabiums gibt es zwei Teile: eine grafische Zeit-Tabelle und die stereografische Projektion des Himmels für einen bestimmten Breitengrad. Die drehbaren Teile simulieren die tägliche Drehung des Himmels.

Die Vorderseite: Mater, Tympan und Rete

Der Hauptteil eines typischen Astrolabiums besteht aus einer etwa sechs Millimeter dicken Bronzescheibe mit einer ringförmigen Vertiefung in der Mitte – der Mater (lateinisch: Mutter). Der Ring um den Rand der Scheibe, der Limbus, ist in Grade eingeteilt und auf vielen europäischen Astrolabien zusätzlich in vierundzwanzig Stunden, mit der Mittagszeit oben und Mitternacht unten. Astrolabien aus der islamischen Welt hatten üblicherweise keine Stundenangabe.

Im vertieften Zentrum der Mater sitzt die Platte für den lokalen Breitengrad, der sogenannte Tympan (auch Climate genannt). Er trägt Kreise für die Höhengrade sowie den Richtungswinkel für einen bestimmten Breitengrad. Ältere Instrumente verfügen über verschiedene austauschbare Scheiben mit Gravuren auf beiden Seiten, sodass sich das Instrument auf unterschiedlichen Breitengraden verwenden lässt – benutzt wurde jeweils die Scheibe, die dem eigenen Breitengrad am nächsten kam.

Über der Platte ist eine weitere Scheibe mit verschiedenen Öffnungen angebracht, die Rete (lateinisch: Netz), sodass die darunterliegende Platte sichtbar bleibt. Spitzen in den Öffnungen markieren bestimmte Fixsterne. Ein Kreis zeigt die Projektion des Sonnenwegs am Himmel, die Ekliptik, eingeteilt in dreißig Grad große Sektionen, die die Tierkreiszeichen repräsentieren. Eine Umdrehung der Rete simuliert die Rotation der Sterne am Himmel während eines Tages, wobei die Rotation um den Himmelsnordpol erfolgt. Oben an der Rete befindet sich üblicherweise ein Zeiger – allerdings hatte nicht jedes Astrolabium einen solchen, abhängig vom geplanten Gebrauch.

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Gut zu wissen: Zeiger und Rete wurden von einem Stift durch die Mitte des Instruments in Position gehalten und ließen sich über der Platte drehen. Gesichert wurde der Stift mit einem Keil, der wie ein Pferdekopf geformt war – Schrauben waren zur Bauzeit historischer Astrolabien noch nicht erfunden. Heutige Nachbildungen verwenden der Einfachheit halber dennoch häufig ganz gewöhnliche Schrauben.

Ein sehr gutes, englischsprachiges Video zum Thema stammt vom Museo Galileo in Florenz und zeigt Aufbau und Funktion eines Astrolabiums im Detail.

Die Ekliptik und die Tierkreiszeichen

Von außen auf unser Sonnensystem betrachtet, kreisen alle Planeten auf derselben Ebene um die Sonne. Diese Ebene wird als Ekliptik bezeichnet. Befinden Sie sich auf der Erde – und damit in dieser Planetenebene – und schauen in den Himmel hinauf, so ist die Ekliptik die Bahn, auf der sich die Sonne über den Himmel bewegt.

Die Sonne durchläuft dabei die zwölf Tierkreiszeichen, also die Sternbilder, die auf der Ekliptik liegen. Offiziell gibt es übrigens achtundachtzig Sternbilder, die dazu dienen, bestimmte Bereiche im Himmel gegeneinander abzugrenzen.

  • ✓Der ekliptische Kreis auf der Rete ist in dreißig Grad große Sektionen für die zwölf Tierkreiszeichen eingeteilt
  • ✓Sternzeichen beziehungsweise Tierkreiszeichen haben übrigens mit den tatsächlichen Sternbildern am Himmel heute nicht mehr viel zu tun

Die Rückseite: Skalen und Alhidade

Die Rückseite des Instruments enthielt Gravuren mit verschiedenen Skalen, abhängig davon, wann und wo das jeweilige Astrolabium hergestellt wurde. Alle Astrolabien hatten Skalen für die Winkelmessung sowie Skalen, um den Längengrad der Sonne für einen beliebigen Tag zu bestimmen. Je nach Entscheidung des Herstellers kamen weitere Skalen hinzu.

  • ✓Fast alle europäischen Astrolabien und viele islamische besaßen ein sogenanntes Schattenquadrat zur Lösung einfacher trigonometrischer Probleme
  • ✓Eine Kotangens-Skala findet sich auf vielen islamischen Astrolabien zur Bestimmung der korrekten Gebetszeit
  • ✓Islamische Geräte enthielten oft zusätzlich eine Qibla-Skala zur Bestimmung der Richtung nach Mekka sowie mathematische Skalen für Sinus und Kosinus
  • ✓Europäische Instrumente hatten oft eine Skala zur Umrechnung zwischen ungleichen und gleichen Stunden

Auf der Rückseite jedes Astrolabiums findet sich außerdem eine Alhidade, auch Dioptra genannt – eine Visiereinrichtung zum Anpeilen, mit der sich die Höhe von Himmelskörpern über dem Horizont messen lässt.

Verfügbarkeit im Shop

Wer die im Artikel beschriebenen Bauteile einmal selbst in der Hand halten möchte, findet im Shop verschiedene Astrolabium-Nachbildungen:

Historisches Planisphären-Astrolabium – neu berechnet, Ø 10 cm

Eine handgefertigte Nachbildung mit Mater, Tympan und Rete aus Messing, berechnet für fünfzig Grad geografische Breite – die Sternkarte wurde dabei auf die tatsächlichen Sternpositionen des einundzwanzigsten Jahrhunderts umgerechnet.

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Miniatur Astrolabium

Eine vereinfachte, rund fünf Zentimeter große Version aus Messing mit Ständer – vor allem als dekoratives Objekt gedacht, das den Aufbau eines Astrolabiums im Kleinen zeigt.

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Mater, Tympan und Rete zum Anfassen

Mit dem Historischen Planisphären-Astrolabium halten Sie ein voll funktionsfähiges Instrument mit allen im Artikel beschriebenen Bauteilen in den Händen.

Jetzt entdecken Teil 1: Die Geschichte des Astrolabiums

Das Wichtigste auf einen Blick

  • ✓Die Vorderseite besteht aus Mater, austauschbarem Tympan und der beweglichen Rete mit Sternspitzen
  • ✓Eine Umdrehung der Rete simuliert die tägliche Rotation der Sterne um den Himmelsnordpol
  • ✓Die Rückseite trägt je nach Herkunft unterschiedliche Skalen – vom Schattenquadrat bis zur Qibla-Skala
  • ✓Die Alhidade auf der Rückseite dient dem Anpeilen und Messen der Höhe von Himmelskörpern

Häufige Fragen (FAQ)

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Was ist die Mater bei einem Astrolabium?

Die etwa sechs Millimeter dicke Bronzescheibe, die den Hauptkörper des Astrolabiums bildet. Sie besitzt eine ringförmige Vertiefung, in der Tympan und Rete übereinander Platz finden.
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Was ist die Rete und wofür dient sie?

Eine durchbrochene Scheibe über dem Tympan, deren Spitzen bestimmte Fixsterne markieren. Eine Umdrehung der Rete simuliert die Rotation der Sterne am Himmel während eines Tages um den Himmelsnordpol.
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Was ist die Ekliptik?

Die Ebene, in der alle Planeten um die Sonne kreisen. Von der Erde aus gesehen ist die Ekliptik die Bahn, auf der sich die Sonne scheinbar über unseren Himmel bewegt und dabei die zwölf Tierkreiszeichen durchläuft.
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Was befindet sich auf der Rückseite eines Astrolabiums?

Verschiedene Skalen wie das Schattenquadrat für trigonometrische Aufgaben, teils eine Kotangens- oder Qibla-Skala sowie eine Alhidade zum Anpeilen und Messen der Höhe von Himmelskörpern.
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Ist ein Astrolabium aktuell im experimentis®-Shop erhältlich?

Ja, unter anderem das Historische Planisphären-Astrolabium (Ø 10 cm, neu berechnet für aktuelle Sternpositionen) sowie ein dekoratives Miniatur-Astrolabium sind aktuell lieferbar.
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Über die Autorin

experimentis®-Redaktion

experimentis® ist ein inhabergeführter Physik- und Wissenschaftsshop aus Rockenberg (Hessen). Historische astronomische Instrumente wie das Astrolabium mit all ihren fein aufeinander abgestimmten Bauteilen gehören zu den Themen, die wir besonders gerne anschaulich erklären.

 
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