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Was ist Cyanotypie eigentlich?
Cyanotypie, auch Eisenblaudruck oder Blaudruck genannt, ist eines der ältesten fotochemischen Verfahren überhaupt. Es nutzt lichtempfindliche Eisensalze, um Motive als leuchtend blaue Abdrücke auf Papier zu bannen. Populär für den Hausgebrauch wurden die dafür nötigen Sunprint Kits im Jahr 1975: Pädagogen der Lawrence Hall of Science an der University of California entwickelten sie, um Kindern naturwissenschaftliche Prozesse spielerisch erlebbar zu machen.
Cyanotypie ist einfach in der Anwendung, dazu kostengünstig, die Materialien sind völlig ungiftig – und die Ergebnisse trotzdem lichtecht und haltbar.
Wie funktioniert Solar-Fotopapier?
Das Spezialpapier ist mit lichtempfindlichen Eisensalzen beschichtet und reagiert auf blaues bis ultraviolettes Licht. Legen Sie ein Objekt auf das Papier und belichten Sie es in der Sonne, entsteht an den unbedeckten Stellen eine chemische Reaktion – ganz ohne Dunkelkammer, Kamera oder bedenkliche Chemikalien. So werden aus Blättern, Schlüsseln oder Zeichnungen im Handumdrehen eigene Solargrafiken.
Das brauchen Sie für Ihre erste Solargrafie
Für den Einstieg in die Cyanotypie benötigen Sie nur wenige, meist ohnehin vorhandene Materialien:
- ✓Solar-Fotopapier
- ✓Interessante Motive: Blätter, Blüten, Schlüssel, Scherenschnitte oder eigene Zeichnungen
- ✓Karton oder Pappe als stabile Unterlage
- ✓Acrylplatte oder Haushaltsfolie, um die Motive zu beschweren
- ✓Direktes Sonnenlicht zur Belichtung
- ✓Leitungswasser zur Entwicklung
Anleitung: In vier Schritten zur eigenen Blaupause
- 1 Das Solar-Fotopapier auf eine feste Unterlage legen und ein oder mehrere Motive darauf anordnen.
- 2 Mit einer Acrylplatte oder Haushaltsfolie abdecken, damit die Motive plan aufliegen und nicht verrutschen.
- 3 In direkter Sonne drei bis sieben Minuten belichten, bei bewölktem Himmel bis zu 20 Minuten.
- 4 Das Papier unter fließendem Leitungswasser auswaschen, bis das Wasser klar bleibt – fertig ist die Solargrafie.
Die Chemie dahinter: Von Blau zu Weiß
Das Verfahren geht auf den britischen Astronomen und Chemiker Sir John W. Herschel zurück, der es im Jahr 1842 entwickelte. Solar-Fotopapier ist mit zitronensaurem Eisen und rotem Blutlaugensalz beschichtet. Trifft UV-Licht auf diese Beschichtung, findet eine fotochemische Reduktion von Eisen-III- zu Eisen-II-Salz statt – eine Verbindung, die wasserunlöslich ist. Beim Auswaschen unter Leitungswasser lösen sich die noch unbelichteten, wasserlöslichen Eisenverbindungen heraus. Zurück bleibt das charakteristische, tiefe Blau: Berliner Blau.
Genau auf dieses Verfahren geht übrigens auch der Begriff Blaupause zurück: Technische Zeichnungen wurden früher mit derselben Cyanotypie-Chemie vervielfältigt, sodass Kopien mit blauem Hintergrund und weißen Linien entstanden.
Die passenden Produkte im Überblick
Im experimentis®-Sortiment finden Sie unterschiedliche Solar-Fotopapiere und Sets für die Cyanotypie:
Tipps für bessere Ergebnisse
- ✓Möglichst zur Mittagszeit belichten, wenn die Sonne am höchsten steht
- ✓Durchscheinende Motive wie Blätter erzeugen weiche Verläufe, blickdichte Objekte scharfe Konturen
- ✓Die beschichtete Seite möglichst nicht berühren, um Fingerabdrücke zu vermeiden
- ✓Unbenutztes Papier lichtgeschützt und trocken lagern, dann bleibt es länger haltbar
- ✓Fertige Motive nach dem Trocknen flach pressen, damit sie sich nicht wellen
Das Wichtigste auf einen Blick
Solar-Fotopapier macht die über 180 Jahre alte Cyanotypie ohne Dunkelkammer und ohne bedenkliche Chemikalien zugänglich. Mit nur wenigen Materialien, direktem Sonnenlicht und Leitungswasser entstehen in wenigen Minuten leuchtend blaue Solargrafiken.
Wer verstehen möchte, wie aus Eisensalzen unter UV-Licht das charakteristische Berliner Blau entsteht und warum wir technische Zeichnungen bis heute "Blaupausen" nennen, findet in diesem einfachen Experiment einen anschaulichen Einstieg in echte Fotochemie.